






| Schwangerschaft und Geburt sind natürliche Ereignisse und sollten demenstprechend ein natürliches
Umgehen erfahren. Wie Leboyer schon sagte, ist Gebären das Privileg der Frau und sollte daher an ihr orientiert sein. Doch leider ist dies oft noch immer nicht so. Frauen werden
oft genug noch be-handelt statt begleitet - ein neues Bewußtsein muß wachsen und das bedeutet, daß wir Frauen uns unserer eigenen Verantwortung nicht nur
bewußt werden sollten sondern diese auch einfordern müssen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits in ihrer Konferenz im April 1985 (!) in Brasilien
ihre Empfehlungen bezüglich des Umgehens mit der Geburt abgegeben, die sehr eindeutig in eine gesunde, natürliche Richtung deuten. Vielleicht können diese
Anregung sein, uns unserer Möglichkeiten und Grenzen bewußter zu werden. Wer sich beispielsweise die schmerzfreie Geburt (PDA) wünscht, sollte sich auch
verantwortungsbewußt über alle hiermit verbunden Risiken und zu erwartendem Geburtsverlauf beschäftigen und eine Frau, die eine selbstbestimmte
natürliche Geburt evtl. in ihrem eigenen häuslichen Umfeld vorzieht, sollte von der Gesellschaft nicht als verantwortungslos beurteilt werden. Noch immer hält
sich hartnäckig das Gerücht, daß eine Hausgeburt riskanter sei, als eine Krankenhausgeburt. Daß dies nicht stimmt, belegen längst alle diesbezüglichen
Untersuchungen. In unserem Zeitalter sollte jede Frau vorurteilsfrei unterstützt werden, ihren eigenen Weg zu finden, ihr Kind zur Welt zu bringen!
Hier die wichtigsten
Auszüge der WHO-Empfehlungen:
1. Die gesamte Öffentlichkeit sollte über die verschiedenen Verfahren der
Geburtshilfe informiert sein, damit es jeder Frau möglich ist, die für sie richtige Art und Weise der Geburtshilfe zu finden.
2. Die Ausbildung der Hebammen und aller
Berufsgruppen, die die Frau und das Kind rund um die Geburt betreuen, müssen gefördert werden. Die Betreuung einer normalen Schwangerschaft, bei der Geburt und im
Wochenbett gehört zum Aufgabenbereich der Hebammen und der angrenzenden Berufe.
3. Alle Krankenhäuser sollten den schwangeren Frauen Informationen
über die von ihnen praktizierte Geburtshilfe (z.B. die Höhe ihrer Kaiserschnittrate) frei zugänglich machen.
4. Es gibt keinerlei Rechtfertigung für eine
Kaiserschnittrate über 10 bis 15 %.
5. Einmal Kaiserschnitt muß nicht für alle folgenden Geburten auch Kaiserschnitt bedeuten.
Nach einer solchen Operation, bei der die Gebärmutter an einer tiefliegenden Stelle geöffnet wurde, kann eine vaginale Entbindung angestrebt werden, wenn im Notfall
schnell ein Eingriff durchgeführt werden kann.
6. Es gibt keine Beweise dafür, daß routinemäßige elektronische Dauerüberwachung
der kindlichen Herztöne einen positiven Einfluß auf den Ausgang der Geburt hat.
7. Für eine Rasur der Schamhaare oder einen Einlauf vor der Geburt
besteht kein Anlaß.
8. Während der Wehentätigkeit sollten schwangere Frauen nicht auf dem Rücken liegen. Sie sollten angeregt werden,
während der Wehen herumzulaufen und sich frei zu entscheiden, in welcher Position sie gebären möchten.
9. Routinemäßige Dammschnitte
sind nicht zu rechtfertigen.
10. Geburtseinleitungen sollte nicht aus Bequemlichkeit stattfinden. Verabreichung von Wehenmitteln sollte nur nach strenger medizinischer
Indikation erfolgen.
11. Schmerzstillende und betäubende Medikamente sollten nicht routinemäßig, sondern nur zur Behandlung oder Verhütung
einer Geburtskomplikation eingesetzt werden.
12. Für eine frühzeitige Eröffnung der Fruchtblase als Routineeingriff gibt es keine wissenschaftliche
Begründung.
13. Das gesunde Neugeborene gehört zu seiner Mutter, wenn es der Zustand von beiden erlaubt. Die Beobachtung des Kindes rechtfertigt nicht
die Trennung von der Mutter.
14. Nach der Geburt sollte der Mutter möglichst bald Gelegenheit zum Stillen gegeben werden.
15. Geburtshilfliche
Einrichtungen, die mit dem Einsatz von Technik kritisch umgehen und emotionale, psychische und soziale Aspekte in den Vordergrund stellen, sollten bekannt gemacht werden.
Diese Projekte sollten gefördert werden, um als Modelle für andere geburtshilfliche Einrichtungen zu dienen und die Einstellung zur Geburtshilfe in der Öffentlichkeit
zu verändern.
16. Regierungen sollten über die Schaffung von Bestimmungen nachdenken, die den Einsatz neuer Geburtstechnologien nur nach angemessener
Prüfung erlauben.
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